So war's im Südwesten
Staffel 1, Folge 1 von 2 | Zeitgeschichte
Breite Schultern, Föhnwelle und Karotten-Jeans. Das Jahr 1980 bietet optisch alles, was modisch heute keine:r mehr wahrhaben möchte. Die 1980er Jahre waren laut Umfragen das glücklichste Jahrzehnt der Deutschen - auch im Südwesten. 1980 bringt Veränderung - politische und auch gesellschaftliche. "Die Grünen" ziehen in den Landtag in Stuttgart ein, Umweltschutz ist plötzlich wichtig und in Freiburg gehen Studierende für Hausbesetzungen und gegen die Wohnungsnot auf die Straße. 1980 starten in SDR und SWF "Verstehen Sie Spaß?" mit Kurt Felix und die LKW-Serie "Auf Achse": Millionen von Fernsehzuschauer:innen sind mit dabei. 1980 ist das Jahr, in dem der Zauberwürfel und die Roller Skates auf den Markt kommen. Mike Krüger singt über "den Nippel". Der Airbag wird im Südwesten serienreif gemacht. Videotext startet. Deutschland wird Fußball-Europameister, mit drei Spielern aus dem Südwesten. Der "schöne" Hansi Müller vom VfB Stuttgart ist der Star der Mannschaft. Kaum eine:r weiß, dass die Kelly-Family den Winter 1980 in einem abgelegenen Tal des Schwarzwalds verbringen musste, im Schottenhöfener Tal bei Zell am Harmersbach. Der Doppeldecker-Bus hatte gestreikt. Die Kelly-Family hatte damals mit "Who'll come with me" ihren ersten Hit. Der Aufenthalt im Schwarzwald wurde sogar in einem Film festgehalten. Für Sängerin Kathy Kelly, eine der Töchter der Familie, war die Zeit im Schwarzwald die schönste ihres Lebens. Jetzt ist sie wieder zu Besuch, trifft ihre damalige Freundin Jutta Pfeiffer aus Zell am Harmersbach. Es wirkt so, als ob sich die beiden niemals aus den Augen verloren hätten. 1980 kauft sich Armin Splett aus Ulm als 16-jähriger vom Taschengeld den ersten Zauberwürfel. Er löst ihn bald so schnell, dass er sogar im Fernsehen auftritt. Heute ist Armin Splett nicht mehr so schnell, spielt aber noch regelmäßig mit dem Würfel. Deutschland und die USA boykottieren die Olympischen Spiele in Moskau. Leidtragender des Olympia-Boykotts ist Guido Kratschmer aus Zornheim bei Mainz. Er gilt 1980 als bester Zehnkämpfer der Welt, ist in der Form seines Lebens. Eine Goldmedaille in Moskau wäre ihm sicher gewesen. Aus Trotz beschließt Guido Kratschmer schon vor Olympia einen neuen Zehnkampf-Weltrekord aufzustellen. Es gelingt ihm. Die Welt horcht auf und für ihn ist es zumindest eine kleine Genugtuung. Die Enttäuschung über die entgangene Goldmedaille begleitet ihn bis heute. 1980 gilt Freiburg als rebellische Hochburg. 60 junge Leute haben das "Dreisameck", einen Häuserkomplex in der Innenstadt besetzt und träumen von einem alternativen Leben in der WG. Wohnraum ist knapp für Studierende. Auch Maria Viethen und Volkhart Schönberg waren bei der Besetzung dabei und sind seit damals ein Paar. Drei Jahre lang lebten sie im Dreisameck, bis zur Räumung durch Einsatzkräfte. Aus Solidarität mit den Besetzer:innen gehen die Freiburger:innen auf die Straßen. Es kommt zu Demonstrationen und Straßenschlachten. Für Maria Viethen und ihren Mann Volkhart Schönberg war 1980 das Jahr, in dem sie, wie sie sagen, "erwachsen" geworden sind.
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