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Kritischer Blick auf die Schweiz um 1942
5 Bilder zur Sendung
Drama
Das Boot ist voll
Spielfilm
CH/D/A 1981
ab 12
110 Min. (101 Min.)
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Im Kriegssommer 1942 entkommt eine kleine Gruppe Deportierter aus einem deutschen Bahntransport. Die Flüchtlinge suchen Unterschlupf in einem Schweizer Landgasthof. Die Behörden verweigern ihnen das Asyl.
Kriegssommer 1942. Aus einem deutschen Transportzug, der durch die Schweiz fährt, kann eine kleine Gruppe fliehen. Angeführt wird sie von Judith Krüger (Tina Engel), deren Mann Hannes (Hans Diehl) als internierter Flüchtling schon in der Schweiz lebt, und vom desertierten Soldaten Karl Schneider (Gerd David). Mit dabei sind ausserdem Lazar Opstrowskij (Curt Bois), ein alter Jude aus Wien, Judiths junger Bruder Olaf Landau (Martin Walz) sowie zwei Kinder, das Mädchen Gitty (Simone) und der französischsprachige Maurice (Laurent). Auf dem Gasthof der Familie Flückiger suchen sie Unterschlupf. Bäuerin Anna (Renate Steiger) ist wenig begeistert, ihr Mann Franz (Mathias Gnädinger) lässt gar den Dorfpolizisten rufen. Erst einmal werden die Flüchtlinge im Waschhäuschen untergebracht und versteckt. Anna sucht beim Dorfpfarrer (Klaus Steiger) Rat. Dort vernimmt sie, dass Deserteure sowie Eltern mit Kindern wohl nicht ausgewiesen würden. Das Mitgefühl obsiegt. Gewaltsam wird aus dem verängstigten Trüppchen eine Familie mit Grossvater und Kindern geformt. Doch Landjäger Bigler (Michael Gempart) waltet buchstabentreu seines Amtes. Neben den Paragrafen aber hat die Mitmenschlichkeit keine Chance. Mit seinem Sachbuch "Das Boot ist voll" hatte der Berner Schriftsteller Alfred A. Häsler 1967 für rege und notwendige Diskussionen gesorgt. Sein kritischer Blick auf die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere auf ihre offizielle Flüchtlingspolitik, bewegte die Gemüter. 1980 nahm Regisseur Markus Imhoof ("More Than Honey") Titel und Thema des Buches als Grundlage für einen Spielfilm, der ebenfalls viel zu reden gab. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und deren Haltung gegenüber jüdischen Verfolgten wurde so bereits 15 Jahre vor der Raubgold-Kontroverse, als die Schweizer Banken zur Herausgabe sogenannt herrenloser Vermögen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs faktisch gezwungen wurden, zum Thema. Auch heute, angesichts der Flüchtlingskrise, bleibt Imhoofs "Das Boot ist voll" brandaktuell und plädiert eindrucksvoll für eine grosszügige Aufnahmepolitik, eine Haltung, die damals wie auch heute einen schweren Stand hat(te).
Imhoofs auf historische Fakten gestützter, wie ein Dokumentarspiel klar inszenierter Film stellt über schweizerische Vergangenheitsbewältigung hinaus die grundsätzliche Frage nach der Menschlichkeit und ihrer Bewährung. (Preis der OCIC in Berlin 1981) (Lex. des Internat. Films).
Mitwirkende
Tina Engel
Judith Krüger
Hans Diehl
Hannes Krüger
Martin Walz
Olaf Landau
Curt Bois
Lazar Ostrowskij
Ilse Bahrs
Frau Ostrowskij
Gerd David
Karl Schneider
Mathias Gnädinger
Franz Flückiger
Renate Steiger
Anna Flückiger
Michael Gempart
Landjäger Bigler
Klaus Steiger
Pfarrer Hochdorfer
Alice Bruengger
Frau Hochdorfer
Otto Dornbierer
Otti
Monika Koch
Rosemarie
Ernst Stiefel
Dr, Baertschi
Johannes Peyer
Truck Driver
Gertrud Demenga
Peasant Woman
Andre Frei
Schauspieler
Hans Joachim Frick
Schauspieler
Wolfgang Grabow
Schauspieler
Walter Hess
Schauspieler
Thomas Hostettler
Schauspieler
Paul Lohr
Schauspieler
Otto Mächtlinger
Schauspieler
Rodi Nater
Schauspieler
Daniel Plancherel
Schauspieler
Jochen Porger
Schauspieler
Walter Ruch
Schauspieler
Axel Schlossler
Schauspieler
Guido von Salis
Schauspieler
Walter Wefel
Schauspieler
Stefan Witschi
Schauspieler
Markus Imhoof
Regie
Edgar Bonjour
Drehbuch
Carl Ludwig
Drehbuch
Hans Liechti
Kamera
40812885