Drama
Jakob, der Lügner
Spielfilm
DDR/CS 1975
ab 12
95 Min. (100 Min.)
Originaltitel: Jakob der Lügner
Als der Ghettobewohner Jakob aufschnappt, die Rote Armee sei im Anmarsch, will er seinen Leidensgefährten Hoffnung geben. Er behauptet er, ein Radio zu haben, und referiert positive Nachrichten.
Jakob Heym lebt im jüdischen Ghetto Warschaus. Wegen angeblicher Überschreitung der Ausgangssperre wird er eines Tages zum Gestapo-Revier geschickt, kommt jedoch wider Erwarten mit dem Leben davon. Der Zufall will es, dass Jakob aus dem Radio bei der Gestapo eine Nachricht über den Anmarsch der Russen aufschnappt. Diese Meldung wirkt für Jakob wie ein Lebenselexier und sie soll auch seinen Freunden neuen Lebensmut geben. Damit diese ihm die Nachricht glauben und er durch deren Quellen nicht als Gestapo-Spitzel verdächtigt wird, muss Jakob lügen. Er gibt vor, ein Radio zu besitzen. Doch damit beginnt Jakobs tragikomischer Leidensweg. Tagtäglich wollen alle Neues von ihm wissen: über den Frontverlauf, die Weltpolitik und vieles mehr. Selbst die kleine Lina, die er versteckt hält, ist neugierig. Hoffnung breitet sich im Ghetto aus, die Selbstmorde hören auf, Zukunftspläne über ein Leben ohne den gelben Stern werden geschmiedet. Und Jakob lügt weiter, ist doch die Hoffnung in ihrer Situation wichtiger als das Stück Brot. Doch allmählich wird die Illusion zum Selbstbetrug. Jakob erträgt die sich selbst aufgebürdete Last nicht mehr und vertraut sich seinem Freund Kowalski an. Der Hoffnung beraubt, nimmt sich dieser das Leben. Als für alle der Deportationsbefehl kommt, entdeckt auch Lina die Wahrheit. Dennoch war für sie für eine kurze Weile die graue Ghetto-Wirklichkeit bunt geworden. "Jakob der Lügner" (1974) ist die gleichnamige Verfilmung des erfolgreichen Romans von Jurek Becker aus dem Jahr 1968, der auf ein Drehbuch des Autors von 1965 zurückgeht. Es ist ein Film von großer berührender Sensibilität, der von der unzerstörbaren Würde des Menschen erzählt - ein Credo, das sich gleichsam wie ein roter Faden durch das Werk des Regisseurs Frank Beyer zieht. "Jakob der Lügner" wurde 1975 für den Oscar nominiert. Angetan von der emotional berührenden Geschichte, entschloss man sich 1999 in Hollywood zu einer Neuverfilmung mit Robin Williams in der Titelrolle.
"Behutsam, zärtlich, ohne wohlfeiles Pathos und naheliegende Sentimentalität erzählt Frank Beyer [...], einer der besten Regisseure der DDR, von Menschen, die inmitten von grauenhafter Unmenschlichkeit zu existieren versuchen. Seine bemerkenswerte Qualität bezieht dieser leise Film nicht zuletzt aus einer Fülle von hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Vor allem der Tscheche Vlastimil Brodsky, 1975 mit dem Darstellerpreis der Berlinale ausgezeichnet, und Erwin Geschonnek vom Berliner Ensemble überzeugen mit Charakterstudien fern von larmoyanten Klischees." (Die Zeit) Mehr zum Schwerpunkt im Internet auf ARTE Cinema unter: cinema.arte.tv.
Diese und 50.000 weitere Sendungen in
Mitwirkende
Vlastimil Brodský
Jakob Heym
Erwin Geschonneck
Kowalski
Henry Hübchen
Mischa
Blanche Kommerell
Rosa
Manuela Simon
Lina
Garas Dezső
Herr Frankfurter
Gordon Zsuzsa
Frau Frankfurter
Friedrich Richter
Dr. Kirschbaum
Bara Margit
Josefa
Reimar J. Baur
Herschel Schtamm
Armin Mueller-Stahl
Roman Schtamm
Hermann Beyer
Wachhabender
Klaus Brasch
Najdorf
Jürgen Hilbrecht
Schwocj
Paul Lewitt
Horowitz
Fritz Links
Fajngold
Edwin Marian
Abraham
Hans-Peter Reinicke
Soldat vor Latrine
Helmut Schellhardt
Eisenbahner
Peter Sturm
Schmidt
Horst Preusker
Nachrichtensprecher
Peter Bausch
Soldat
Eckhard Bilz
Soldat in Giebelfenster
Gerhard Brieger
Sowjetischer General
Josef Englicki
Mann in Kowalskis Zimmer
Harald Fischer
Turmposten
Gabriele Gysi
Larissa
Harald Henke
Soldat
Otto Horstmann
Sowjetischer General
Wilhelm Jordan
Sowjetischer General
Karel Kalita
Siegfried
Jarmila Karlovská
Mischas Nachbarin
Josef Koci
Alter Mann in Kaftan
Julius Kornstreicher
Mann in Kowalskis Zimmer
Harry Lehnert
Polizist
Fred Ludwig
Awron Minsch
Joachim Lukas
Soldat
Alfred Lux
Arbeiter
Peter Pauli
Arbeiter
Erich Petraschk
Chaim Balabusne
Frank Beyer
Regie
Jurek Becker
screenplay
Günter Marczinkowsky
Kamera
Joachim Werzlau
Musik
37157462