Rassismus kann jeden betreffen
Melodram
Angst essen Seele auf
Spielfilm
D 1974
ab 12
95 Min. (89 Min.)
Stereo
Die verwitwete Putzfrau Emmi verliebt sich in den mehr als 20 Jahre jüngeren Marokkaner Ali. Als sie heiraten, brechen Emmis Kinder den Kontakt zur Mutter ab, und Kollegen und Nachbaren schneiden sie.
Emmi Kurowski, eine verwitwete Reinigungskraft um die 60, lernt in einer Gastwirtschaft einen 20 Jahre jüngeren marokkanischen Gastarbeiter kennen, den sie der Einfachheit halber und ohne Arg „Ali“ nennt. Ali, der froh ist, eine Gesprächspartnerin gefunden zu haben, bringt Emmi nach Hause. Aus der zufälligen Begegnung entwickelt sich eine Beziehung. Ali zieht zu ihr, sie beschließen, zu heiraten. Doch Emmis erwachsene Kinder reagieren entsetzt. Und auch die Nachbarschaft und das Arbeitsumfeld stehen Emmis neuer Beziehung kritisch gegenüber. Der Kaufmann um die Ecke ekelt Ali sogar aus seinem Laden. Als Emmi und Ali von ihrer Hochzeitsreise zurückkehren, scheint sich die Situation wunderbar verändert zu haben: Der Kaufmann hat sich erinnert, dass Geld nicht stinkt. Die Kinder beuten Emmi als kostenlose Babysitterin aus. Die Nachbarin erkennt, dass ein freundlich gestimmter Ali als Hilfe für schwere Arbeiten im Haushalt nützlich ist. Auch die Kolleginnen und Kollegen haben ein anderes schwarzes Schaf gefunden, an dem sie ihre Frustration auslassen können. Aber jetzt, nachdem der äußere Druck gewichen ist, beginnen die internen Schwierigkeiten dieser Ehe ihren Lauf zu nehmen. Ali möchte vor Freunden und Kollegen seine Unabhängigkeit beweisen und tut das unter anderem durch Besuche bei der Kellnerin Barbara. Emmi ist entschlossen, um ihren Mann zu kämpfen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung. Plötzlich bricht Ali zusammen. Er wird ins Krankenhaus gebracht, wo ein offenes Magengeschwür diagnostiziert wird - eine düstere Prognose für Alis Zukunft. Emmi aber will nicht aufgeben und hofft auf einen Neuanfang. Es ist die paranoide Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden, die Fassbinder, der erfolgreichste deutsche Regisseur der Nachkriegszeit, hier thematisiert und mit intelligenten Wirkungsstrategien eindrucksvoll in Szene setzt. „Angst essen Seele auf“, Rainer Werner Fassbinders meisterhafte Fusion aus klassischem Hollywood-Melodram à la Douglas Sirk und kritischer Gesellschaftsstudie, ist eine parabelhafte Abrechnung mit einer von Rassismus durchdrungenen Gesellschaft. Nicht zuletzt lebt der Film von den großartigen schauspielerischen Leistungen. Für ihre beeindruckende Darstellung der komplexen Figur Emmi Kurowski erhielt Brigitte Mira 1974 den Bundesfilmpreis. „Angst essen Seele auf“ lief 1974 als deutscher Wettbewerbsbeitrag beim Internationalen Filmfestival von Cannes und erhielt dort den Preis der Ökumenischen Jury sowie den FIPRESCI-Preis.
Das großartige Melodram zählt zu Fassbinders erfolgreichsten Werken und reflektiert eindringlich und ungeschminkt das Dilemma einer unkonventionellen Liebesbeziehung. Die Grundidee dieser Handlung hat Fassbinder bereits in seinem Film "Der amerikanische Soldat" zitiert. Dort erzählt eine Kellnerin unvermittelt die Geschichte der alternden Putzfrau, die sich in einen jüngeren Gastarbeiter verliebt. In dieser Erzählung wird Emmi umgebracht. Ob aber die neuere Version letztlich optimistischer ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fassbinder hat diese Geschichte genauso lapidar verfilmt, wie sie in "Der amerikanische Soldat" erzählt wird. Typische Situationen werden gegeneinandergestellt, wobei aber die genaue Beobachtung und die realistische Schilderung verhindern, dass die Handlung zum reinen Lehrstück gerät. Auch das Spiel der Darsteller wirkt der Schematisierung und dem Abrutschen in Klischees entgegen: Sowohl Brigitte Mira als auch ihr Partner El Hedi ben Salem vermeiden die Gefahr der Typisierung und statten ihre Rollen mit einer überzeugenden Vielfalt individueller Züge aus. Die Volksschauspielerin Brigitte Mira wurde für ihre Leistung 1974 mit dem Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. "Angst essen Seele auf" lief 1974 als deutscher Wettbewerbsbeitrag beim Internationalen Filmfestival von Cannes und erhielt dort den Preis der ökumenischen Jury und den Fipresci-Preis.
Diese und 50.000 weitere Sendungen in
Mitwirkende
Brigitte Mira
Emmi
El Hedi ben Salem
Ali
Barbara Valentin
Barbara
Irm Hermann
Krista
Rainer Werner Fassbinder
Eugen
Karl Scheydt
Albert
Elma Karlowa
Mrs. Kargus
Peter Gauhe
Bruno
Marquard Bohm
Gruber
Walter Sedlmayr
Angermayer
Doris Mattes
Mrs. Angermeyer
Lilo Pempeit
Mrs. Münchmeyer
Gusti Kreissl
Paula
Margit Symo
Hedwig
Elisabeth Bertram
Frieda
Helga Ballhaus
Yolanda
Anita Bucher
Mrs. Ellis
Hannes Gromball
Waiter
Katharina Herberg
Girl in bar
Rudolf Waldemar Brem
Bar patron
Peter Moland
Chief garage mechanic
Hark Bohm
Doctor
Ingrid Caven
Schauspieler
Kurt Raab
Car Mechanic
Jürgen Jürges
Kamera
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