matinee: Kathleen Battle und Jessye Norman singen Spirituals
Staffel 1, Folge 10 | Dokumentation
Der Abend im März 1990 stand unter enormem Erwartungsdruck: Würden die beiden konkurrierenden Diven Kathleen Battle und Jessye Norman es tatsächlich schaffen, gemeinsam und nicht gegeneinander zu singen? Obwohl Spirituals sich als Konzertrepertoire bereits etabliert hatten, war es damals ein Wagnis, die Wucht klassisch geschulter Stimmen auf die innig-schlichten Melodien "loszulassen". Konnte der Geist dieser Musik, die Menschen in der Unterdrückung Mut und Trost spenden sollte, bewahrt werden? Nicht zuletzt deshalb, weil sie für ein Publikum sangen, das auf sündhaft teuren Opernsitzen saß. Am Ende eroberten die beiden Diven die Carnegie Hall im Sturm, und Kritiker sowie Publikum zollten ihnen gebührend Tribut: Es war ein musikalisches Fest voller Charisma, Virtuosität, Lebendigkeit - und eine wahre Show. Jessye Norman, deren Todestag sich kürzlich zum fünften Mal jährte, dominierte die Bühne mit ihrem authentischen Timbre und einem farbenfrohen afrikanischen Kostüm, während die Koloratursopranistin Kathleen Battle immer noch die allerfeinsten hohen Töne traf. Wenn sie sich an ein Repertoire wagten, das in ihrer Jugend die Anfänge ihrer musikalischen Laufbahn markierte, entstand eine magische Einheit zwischen den beiden gegensätzlichen Künstlerinnen. Peter Gelb, Produzent des Konzerts und heute Generaldirektor der Metropolitan Opera, erinnert sich an die Umstände, unter denen dieses einzigartige musikalische Ereignis zustande kam. Queen Esther Marrow, Gründerin der Harlem Gospel Singers, und Jocelyn B. Smith, die heute in Berlin lebt, betonen die spirituelle und politische Dimension dieses außergewöhnlichen Abends. Die Dokumentation von Dag Freyer lässt das Konzert von 1990 Revue passieren. Heute, drei Jahrzehnte später, hört man es unweigerlich im Kontext der "Black Lives Matter"-Bewegung. Auch die beiden Sängerinnen haben sich ihren Platz auf der großen Bühne erst erkämpfen müssen. Durch ihre Karrieren haben sie das Auftreten nicht- weißer Sängerinnen und Sänger auf den Opernbühnen zur Normalität gemacht.
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