Schätze der Welt - Erbe der Menschheit spezial
Folge 400 | Kunst + Kultur
Wer das Fagus-Werk nur von Fotos kennt - wie der größte Teil seiner Bewunderer in aller Welt - von den monumentalen Schwarz-Weiß-Fotos der 20er und 30er Jahre, den wird ein Besuch in Alfeld vielleicht ernüchtern: Er tritt vor ein kleines, sympathisches Verwaltungs- und Fabrikgebäude, in dem bis auf den heutigen Tag Schuhleisten gefertigt werden. Es ist in bester lokaler Tradition aus Ziegeln gemauert. Allenfalls die Glasbahnen der Fenster lassen aufmerken. Und die freischwebende Treppe hinter einer gläsernen Ecke. Das Datum macht's: Die erste freischwebende Treppe! Die erste gläserne Ecke! Erstmals wird hier auf massive, dem Auge Stabilität versprechende Eckpfeiler verzichtet, moderne Leichtigkeit tritt an die Stelle wilhelminischen Prunks. "Erstmals", das ist das Zauberwort dieses "Ursprungsbaus der Moderne". Es ist der erste eigenständige Bau von Walter Gropius, dem späteren Bauhaus-Gründer, und Gropius glaubte, hier den ersten gläsernen "curtain wall" der Welt gebaut zu haben. Ob es sich bei den großflächigen Fensterbahnen, die das Fagus-Gebäude licht und luftig machten, tatsächlich um eine Vorhangfassade, einen curtain wall handelt, ist eine Streitfrage unter Fachleuten. Die erste ist es sicher nicht. Vielleicht gibt es den einen "Ursprungsbau" nicht. Das Fagus-Werk steht womöglich nicht allein am Anfang der Moderne.
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