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Nach 50 Jahren Rock'n'Roll wird die Kultband aus dem Osten nächstes Jahr mit einem fulminanten Finale auf Abschiedstournee gehen. Dann wird Gitarrist Fritz Puppel ein letztes Mal die zwei berühmten Akkorde g-Moll und F-Dur anspielen, wird Georgi Gogows Geige erklingen und Frontmann und Sänger Toni Krahl die ersten Zeilen ‚Einmal wissen dies bleibt für immer‘ anstimmen: 'Am Fenster'. Dieses Lied ist ihr größter Hit und sorgt bis heute bei ihren Livekonzerten für Gänsehautmomente, gilt einigen sogar als eine Art Nationalhymne der Ostdeutschen. Doch wie kam eine Hardrockband eigentlich zu diesem poetischen Lied? Diese und viele andere Fragen beantwortet die 90minütige Musikdokumentation "CITY - Die letzte Runde". Emil Bogdanow, Sänger von CITY im Entstehungsjahr des Klassikers 1974, brachte damals einen Gedichtband von Hildegard Maria Rauchfuß mit zur Probe, darin sein Lieblingsgedicht: "Am Fenster". Schlagzeuger Klaus Selmke brachte eine wertvolle Geige seines Onkels mit und Bassist Georgi "Joro" Gogow gestand den Kollegen, dass er eigentlich klassische Geige studiert hat. Ein äußerst spannendes Zusammenspiel von Zufällen, Schicksalsbegegnungen und früheren Begabungen, aus denen das Lied "Am Fenster" entstand. Der zunächst von der DDR Plattenfirma AMIGA abgelehnte Song war bei den Konzerten von Anfang an ein Erfolg. Ein Promoter aus dem Westen hörte ihn später mit dem neuen Sänger Toni Krahl im Radio und überzeugte AMIGA mit Devisen, ein Album von CITY aufzunehmen. Was folgte, war ein Erfolgstsunami. Als eine der ersten DDR Bands eroberte CITY Ende der 1970er Jahre auch den Westen, tritt als erste DDR Band im berühmten Rockpalast auf und bekam 1981 sogar eine Goldene Schallplatte in Griechenland. Doch Erfolg ist auch ein bitteres Gift. Ende 1981 kommt es zur Trennung. Georgi "Joro" Gogow gründet eine eigene Band, NO55. CITY machen einen Neuanfang in neuer Besetzung mit dem Keyboarder Manfred Hennig. ‚Ohne Bass und ohne Haare mit CITY durch die 80er Jahre’ - so das Motto. Mit dem Konzeptalbum 'Casablanca', das nicht nur das Album des Jahres 1987 wird, sondern in seinen äußerst treffgenauen Texten die damalige bleierne Zeit in der DDR reflektiert, liefern sie den Soundtrack zur bevorstehenden Wende. CITY- allen voran Sänger Toni Krahl - beziehen politisch Stellung, gehören zu den wichtigsten Identifikationsfiguren für die sich abzeichnenden Veränderungen im Land und gehören neben Pankow und Silly zu den wichtigsten und erfolgreichsten Bands der DDR. Der Mauerfall trifft sie, wie fast alle Ostdeutschen, überraschend. Manfred Hennig und Klaus Selmke verlassen die Band. Toni Krahl und Fritz Puppel machen weiter, gründen eine Plattenfirma und einen Verlag und nehmen ein neues Album auf.
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