DDR-Western: Indianerhäuptling auf Kriegspfad
Indianerfilm
Weiße Wölfe
Spielfilm
DDR/YU 1969
ab 12
100 Min. (101 Min.)
Pro Tipp
16:9
Originaltitel: Weisse Wölfe
Indianerhäuptling Weitspähender Falke will sich an den Mördern seiner Frau rächen. In Tanglewood erhält er Unterstützung von Sheriff Patterson. Doch die Banditen haben die Stadt längst im Griff.
Der nordamerikanische Westen im Jahre 1879: Nach dem Ende der Indianerkriege sucht der junge Dakota-Häuptling Weitspähender Falke mit seiner Frau Blauhaar und zwei Kriegern, den einzigen Überlebenden eines einstmals stolzen Stammes, Zuflucht in den Black Hills. Sie wollen sich einer Stammesgruppe der Cheyenne unter Häuptling Little Wolf anschließen. In der nahegelegenen Stadt Tanglewood hat der Kampf um Landbesitz, Geld und Macht einen Höhepunkt erreicht. Der Minenboss Collins P. Harrington will seinen unliebsamen Konkurrenten, den erfolgreichen Händler Sam Blake, aus dem Weg räumen. Dafür beauftragt er den skrupellosen Banditen Jim Bashan mit seinen Gefolgsleuten, die Bevölkerung Tanglewoods einzuschüchtern und Blakes Transporte regelmäßig zu überfallen. Nach einem solchen Überfall trifft Bashans Bande auf die vier Indianer, die gerade eine Rast machen. Aus purer Mordlust erschießt einer der Banditen Blauhaar, die Frau des Häuptlings. Weitspähender Falke kann nur noch an Rache denken und verfolgt die feigen Mörder bis in die Stadt. In Tanglewood findet er in dem jungen Sheriff Patterson einen aufrechten Mann, der ihm helfen will. Gemeinsam verhindern sie den Überfall auf einen Geldtransport von Blake. Patterson versucht, den aufgebrachten Bürgern von Tanglewood zu beweisen, dass Bashan hinter den Raubzügen steckt. Aber die Stadt hat sich längst der Bergwerksgesellschaft ergeben. Minenboss Harrington erteilt jetzt die Befehle. Er lässt den Sheriff außer Gefecht setzen und stachelt zur Lynchjustiz an den Indianern auf. Bei einem Zweikampf kann Weitspähender Falke den Mörder von Blauhaar zwar töten, fällt dem Machtkampf der Weißen aber schließlich selbst zum Opfer. • Thema: Red Western Eastern, Sauerkraut-Western, Red Western - letzteren Begriff wählte das Rotterdam Film Festival, dem das Verdienst gebührt, 2011 eine Retrospektive dieser vergessenen Filme zusammengestellt zu haben. Eine regelrechte Detektivarbeit war nötig, um Rechteinhaber und Kopien in der postsowjetischen Archivlandschaft ausfindig zu machen. ARTE zeigt drei der wichtigsten Red Western aus sowjetischer, tschechoslowakischer und DDR-Produktion. Sie entstammen den Goldenen 60ern, einer Blütezeit der kommunistischen Antworten auf den vermeintlich dekadenten Amerikanischen Western. Die jenseits des Eisernen Vorhangs entstandenen Filme handeln von Cowboys und Indianern wie ihre westlichen Vorbilder, aber ihre Helden könnten in einer anderen Zeit problemlos als Vorkämpfer für den realen Sozialismus erkannt werden. Die Filme sollten vor allem aber eines sein: Unterhaltung. Denn der US-amerikanische Western war seit den 20er Jahren ungeheuer populär, als er in der noch jungen Sowjetunion im Kino ausgewertet wurde. Stalin selbst war ein großer Western-Fan. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis zum Staatsbesuch Nikita Chruschtschows in den USA im Jahr 1962, bis der Western zurückkehrte. "Die Glorreichen Sieben" von John Sturges mit Yul Brunner in der Hauptrolle wurde in Stadien projiziert, um dem Besucheransturm standzuhalten. Die ungeheure Popularität des Films vor allem bei der Jugend machte die sowjetischen Funktionäre misstrauisch. Sie lancierten kritische Artikel, revidierten die Besucherzahlen nach unten und zogen den Film schließlich aus dem Verkehr. Zum 50. Geburtstag der Oktoberrevolution gaben sie grünes Licht für die Produktion eines Westerns kommunistischer Machart: "Weiße Sonne der Wüste" von Wladimir Motyl entstand ein Jahr nach dem Prager Frühling und handelt vom Verlust der Illusion eines demokratischen Sozialismus. Nichtsdestotrotz war der Film in der Sowjetunion ein großer Erfolg. In den 60ern fand auch die DEFA zum Genre. Die "korrekten Western" handelten von guten Indianern und bösen kapitalistischen Kolonialisten. Die Sauerkrautwestern wurden wie die westdeutschen Karl-May-Verfilmungen in Jugoslawien gedreht, casteten aber einheimische Darsteller wie den serbischen Leichtathleten Gojko Mitic, der in elf Filmen die indianische Hauptrolle verkörperte und nach der Wiedervereinigung den Winnetou bei den Karl-May-Festspielen des Westens in Bad Seegeberg! ARTE zeigt aus dieser Epoche den Schlüsselfilm, "Weiße Wölfe" aus dem Jahr 1969, in der Regie von Konrad Petzold und Bosko Boskovic. In Nebenrollen sind Rolf Hoppe und Michael Gwisdek zu sehen. 1964 war in der Tschechoslowakei "Limonaden-Joe" entstanden, ein Musical und damit auch eine Genre-Parodie des Regisseurs Oldrich Lipský mit einigen animierten Sequenzen des berühmten Trickfilmregisseurs Jirí Trnka. Der Film bekam einen Preis in San Sebastián und war selbst in den USA erfolgreich. In der Sowjetunion war er ein Kassenerfolg, allerdings scheint es, dass das parodistische Element nicht verstanden wurde, weil die Referenz, der US-Western, der jüngeren Generation, die nicht gerade "Die glorreichen Sieben" gesehen hatte, fehlte.
Nach dem überwältigenden Erfolg der bundesdeutschen Karl-May-Adaptionen begann auch die DEFA ab Mitte der 60er Jahre mit der Produktion von Indianerfilmen. Doch orientierte sie sich dabei zumeist nicht an literarischen Vorlagen, sondern nahm als Ausgangspunkt historische Ereignisse aus der amerikanischen Gründerzeit. Es ist ein Verdienst dieser Filme, dass dieses finstere Kapitel erstmals aus Sicht der Urbevölkerung erzählt wurde; Indianer waren hier weder die blutrünstigen Barbaren noch die edlen Wilden des Hollywoodkinos, sondern einfach nur Menschen, denen großes Unrecht und Leid widerfuhr.
Diese und 50.000 weitere Sendungen in
Mitwirkende
Gojko Mitic
Weitspähender Falke
Horst Schulze
Collins P. Harrington
Barbara Brylska
Catherine Emerson
Holger Mahlich
Pat Patterson
Slobodan Dimitrijević
Listiger Fuchs
Rolf Hoppe
James Bashan
Helmut Schreiber
Sam Blake
Slobodan Velimirović
Starke Linkshand
Fred Delmare
Peter Hille
Fred Ludwig
John Emerson
Karl Zugowski
Andy Sleek
Predrag Milinković
Indijanac David
Milan Jablonský
Jim
Milivoje Popović-Mavid
Little Wolf
Gerry Wolff
Josuah Mc Grave
Paul Berndt
Bill Myers
Horst Preusker
Captain Wessels
Bruno Carstens
Roy
Hannes Fischer
Bryde
Lali Meskhi
Blauhaar
Jochen Thomas
Stumpfmesser
Djordje Popovic
Junger Dakota
Milane Allac
Unterhäuptling
Bogić Bošković
Indianer
Michael Gwisdek
Schauspieler
Werner Schulz-Wittan
Stumpfmesser
Vlajko Sparavalo
Indian
Klaus-Peter Thiele
Schauspieler
Bosko Boskovic
(co-director)
Konrad Petzold
Regie
Günter Karl
Drehbuchautor
Hans-Joachim Wallstein
Drehbuch
Josip Lesic
Drehbuch
Eberhard Borkmann
Kamera
Karl-Ernst Sasse
Musik
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