Schleichender Thrill von Großmeister Hitchcock
Mysterythriller
Verdacht
Spielfilm
USA 1941
ab 12
115 Min. (99 Min.)
Originaltitel: Suspicion
Lina, eine junge Frau aus den besten Kreisen, heiratet den Taugenichts Johnny. Nach und nach keimt in ihr der Verdacht, dass Johnny sie nur wegen ihres Geldes geheiratet hat und plant, sie zu töten.
Lina McLaidlaw, die gutgläubige Tochter eines reichen Generals, heiratet gegen den Willen ihrer Eltern den leichtlebigen Playboy und Spieler Johnnie Aysgarth. Nach der Hochzeit lebt das frisch verheiratete Paar auf großem Fuße, denn Johnnie gibt vor, sich das luxuriöse Leben leisten zu können. Doch schon bald muss Lina feststellen, dass Johnnie ein Spieler ist, ihr Haus nur gemietet und das pompöse Leben nur durch das Verscherbeln ihrer Hochzeitsgeschenke möglich war. Als der General stirbt, hinterlässt er seiner Tochter zu Johnnies bitterer Enttäuschung lediglich ein Porträt von sich. Damit versiegt Johnnies zuverlässige Geldquelle und er wendet sich an seinen gutmütigen Freund Beaky. Lina versucht, Beaky seine Güte auszureden, doch zu spät - Beaky stirbt unter mysteriösen Umständen in Paris. Lina ist sich nun sicher: Ihr Mann ist ein Mörder. Sie befürchtet, dass Johnnie jetzt auch sie umbringen will, um an ihre Lebensversicherung heranzukommen. Alfred Hitchcock (1899 - 1980), Sohn eines englischen Obstimporteurs und Geflügelhändlers, begann zunächst als Zeichner von Werbung und von Zwischentiteln für Stummfilme, anschließend als Regieassistent, Drehbuchautor und Dekorateur. Zu Beginn seiner Karriere als Regisseur erwarb sich Hitchcock Anerkennung vor allem mit Kriminalfilmen ("Der Mieter", "39 Stufen"). Spätestens mit der brillanten Romanverfilmung "Rebecca" (1940) wurde deutlich, dass Hitchcock weit mehr war als ein versierter Thriller-Regisseur. Unter seiner Regie wurde das Genre des Kriminalfilms ausgeweitet zu Essays über bürgerliche Moralvorstellungen, über die Fragilität einer scheinbar stabilen Ordnung, meist mit dem Witz einer intelligenten Komödie vorgetragen. Viele seiner Filme befassen sich mit dem Problem des Identitätsverlustes und der Ambivalenz zwischen Gut und Böse. Daneben erwies sich Hitchcock als brillanter Filmtechniker und nimmermüder Experimentator, der mit vielen Szenen Filmgeschichte machte. "Verdacht" ist Hitchcocks zweiter "englischer Hollywoodfilm" (englische Schauspieler, englisches Milieu, englische Romanvorlage), sein zweiter Film mit Joan Fontaine (sie bekam für diesen Film einen Oscar) und die erste Zusammenarbeit mit Cary Grant. In "Verdacht" ist Grant ein als Mann von Welt getarnter Filou, der das von der Altjüngferlichkeit bedrohte Dornröschen Joan Fontaine wachküsst, um es zu lieben und ein bisschen auszunutzen. In "Verdacht" beobachtet der Zuschauer den ganzen Film hindurch eine Frau, die ihren Mann observiert. Den gesamten Film hindurch besteht der "Suspense" also in einer doppelten Ungewissheit: der der Heldin und derjenigen des Zuschauers, die sich immer mehr zu der Gewissheit verdichtet, dass ihr Verdacht begründet ist. Höhepunkt dieser Verunsicherungsstrategie Hitchcocks ist die berühmte "Vergiftungsszene", in der Grant seiner Frau ein Glas Milch ans Bett bringt, von dessen tödlichem Inhalt Heldin und Zuschauer überzeugt sind. Ein Verdacht, den Hitchcock in einer seiner Requisitenmanipulationen äußerst geschickt nährt: Am Boden des Glases liegt eine Glühbirne, der die Milch ihr dämonisches Leuchten verdankt. Es ist viel über die Frage spekuliert worden, inwieweit das Ende des Films von Hitchcock gewollt, halbherzig akzeptiert oder gar vom Studio aufgezwungen wurde. Während in der Romanvorlage ("Before the Fact" von Francis Iles) die Ehefrau entdecken muss, dass sie tatsächlich einen Mörder geheiratet hat und sich aus Liebe schließlich von ihm umbringen lässt, wollte das produzierende Studio laut Hitchcock seinen Star Cary Grant auf keinen Fall in der Rolle eines Mörders dulden, so dass das ursprüngliche Ende in letzter Minute durch das Happy-End der endgültigen Kinofassung ersetzt werden musste. Entsprechend bemängelt wurde oft die Aufgesetztheit dieses Endes, das den Kritikern in der vorangehenden Charakterzeichnung Grants nicht vorbereitet erschien. Tatsächlich jedoch bringt das jetzige Ende das emotionale Dilemma der Heldin sehr viel besser auf den Punkt, weil es die subjektive Färbung ihres Blicks, die Projektion ihrer Ängste und Vorurteile auf die Realität, entschiedener deutlich macht.
"Verdacht" ist ein leiser, in der Spannungssteigerung hervorragend komponierter Thriller im Stil eines Kammerspiels, der zwischen Melodram und ironischer Komödie pendelt und geschickt mit der Ambivalenz von Schein und Sein operiert. 1942 wurde der Film gleich drei Mal für den Oscar nominiert: in den Kategorien Bester Film, Beste Filmmusik und Beste Hauptdarstellerin. Joan Fontaine gewann dann für ihre Rolle der Lina McLaidlaw die Auszeichnung.
Diese und 50.000 weitere Sendungen in
Mitwirkende
Cary Grant
Johnnie Aysgarth
Joan Fontaine
Lina McLaidlaw
Cedric Hardwicke
General McLaidlaw
Nigel Bruce
Beaky Thwaite
Dame May Whitty
Mrs. McLaidlaw
Isabel Jeans
Mrs. Newsham
Heather Angel
Ethel, Hausmädchen
Auriol Lee
Isobel Sedbusk
Reginald Sheffield
Reggie Wetherby
Leo G. Carroll
Captain George Melbeck
Alfred Hitchcock
Regie
Samson Raphaelson
screenplay
Joan Harrison
screenplay
Alma Reville
screenplay
Harry Stradling Sr.
Kamera
Franz Waxman
Musik
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