Stationen
Kunst + Kultur
"Warum gehst Du für fast vier Monate auf eine Alm und arbeitest von Sonnenaufgang bis spätabends - und das für wenig Geld?" - diese Frage wird ihr oft gestellt. Martina Fischer ist Krankenschwester und fährt seit vielen Jahren für einen mobilen Pflegedienst durch die Dörfer im Chiemgau. Jeder Arbeitstag ist getaktet: Sechs Uhr früh das Einsatzauto in Rosenheim abholen, dann Fahrt über Land, kurzer Besuch bei jedem Patienten und jeder Patientin. Manche müssen gewaschen werden, andere bekommen nur Medikamente. Ein Stressjob. Bis die damals 37-jährige vor elf Jahren einen Sommer lang bei einer Sennerin auf der Rampold Alm in den bayerischen Voralpen aushilft. Sie bemerkt: Das ist ihre Leidenschaft und hier ist sie ganz bei sich - endlich frei. Mittlerweile nimmt Martina jährlich eine viermonatige Auszeit von ihrem Pflege-Job und zieht hoch auf eine Alm. Nach einer Weiterbildung zur Almerin auch allein. Auf der 1437 Meter hoch gelegenen Krottenthaler Alm oberhalb des Spitzingsees lebt sie mit ihren Tieren: mit rund fünfzig Kälbern, zwei Schweinen, Hühnern und Ziegen. Ohne Strom, Warmwasser und meist auch ohne Handy-Netz. Macht Käse, läuft kilometerweit, um die Zäune und Brunnen für die freilaufenden Kälber zu kontrollieren und zu reparieren. "Klar ist es viel Arbeit, aber ich bestimme selbst, wie und in welchem Rhythmus ich sie mache. Unten im Tal bestimmen andere über mich, da bin ich durch moderne Medien und durch ein beschleunigtes Arbeitsleben fremdbestimmt", meint die Almerin zu ihrer Entscheidung, quasi zwei Leben zu führen, auf der Alm und im Herbst und Winter unten im Tal.
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