Gespräch
Campus Talks
Talk
D 2019
30 Min. (29 Min.)
Kann politische Ökonomie die Welt retten?: Vom Fliegengehirn zum menschlichen Sehen
Originaltitel: alpha-Campus Talks
Die Sendung macht Fernsehen für Studieninteressenten, Studierende, Lehrende und Forschende sowie für alle Menschen, die sich für die Hochschulszene interessieren. Campus schafft eine unabhängige Öffentlichkeit für die akademische Community.
Ökonomen wollen die reale Welt verbessern. Dabei verstehen sie die Probleme der Welt nicht als Konsequenz des Handelns von Nationen, gesellschaftlicher Klassen oder politischer Gruppierungen. Vielmehr steht im Zentrum des ökonomischen Denkens der Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen und unsere Welt erklärt sich als komplexes Aggregat aus individuellen Handlungen. Salopp formuliert sind Menschen weder allwissende Engel noch dumme Schafe. Sie sind nie vollständig informiert; sie verfolgen nicht ausschließlich das Gemeinwohl sondern auch eigene Ziele; sie haben lieber Vor- als Nachteile und wägen diese halbwegs vernünftig ab; und sie folgen nicht jeder Vorschrift, sondern suchen aktiv nach für sie günstigeren Lösungen. Dieses sehr realistische Menschenbild hat weitreichende Folgen für die Wirtschaftspolitik. Menschen und ihre Probleme sind oft stark unterschiedlich, sodass es selten gute Einheitslösungen gibt. Weil Menschen auch eigene Ziele verfolgen und dabei Fehler machen, braucht es im wirtschaftlichen Bereich den Markt als Disziplinierungs- und Entdeckungsverfahren. Das Gleiche gilt auch für die Politik: Weil Politiker normale Menschen sind und damit dem ökonomischen Menschenbild entsprechen, sind dezentrale und wettbewerbliche Strukturen oft überlegen. Sie generieren Informationen und geben den Politikern Anreize, auf die Bürger einzugehen. • Prof. Dr. Alexander Borst: Bildverarbeitung im Fliegengehirn – was wir von Drosophila über unser Sehen lernen können Prof. Dr. Alexander Borst, Direktor der Abteilung Schaltkreise - Information - Modelle am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried, erforscht das Sehvermögen von Fruchtfliegen und zieht daraus Schlüsse für das menschliche Sehen. Öffnen wir die Augen, sehen wir sofort, was um uns herum geschieht: Wir erkennen einzelne Objekte oder Personen, sehen, wie weit sie von uns entfernt sind, und in welche Richtung sie sich bewegen. Dies geschieht in Sekundenbruchteilen und absolut mühelos. Deshalb ist uns nicht bewusst, dass die Bildverarbeitung einen enormen Rechenaufwand im Gehirn erfordert: ‚Sehen‘ ist ein komplizierter Vorgang. Borst und sein Team erforschen die neuronalen Schaltkreise, die aus den Bildfolgen auf der Netzhaut die Bewegungsrichtung errechnen. Sie untersuchen diese Rechenleistung aus methodischen Gründen an der Fruchtfliege Drosophila. Dort lassen sich mithilfe ausgefeilter genetischer Tricks einzelne Nervenzellen gezielt ein- und ausschalten. Somit kann ihr Beitrag in dem neuronalen Schaltkreis analysiert werden, der dem Bewegungs-Sehen zugrunde liegt. Die experimentellen Ergebnisse fließen in Computer-Simulationen ein, in welchem die einzelnen Nervenzellen durch naturgetreue Modelle ersetzt und miteinander auf komplexe Art miteinander verschaltet werden.
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