Der vergiftete Frieden
Staffel 1, Folge 1 | Geschichte
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hofften viele Völker Osteuropas, die durch Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn beherrscht waren, auf Freiheit und Eigenständigkeit. Doch aus den Träumen von Selbstbestimmung wurde wenig. Stattdessen sahen sie sich mit neuen Konflikten konfrontiert, als unterschiedliche Nationalitäten um Territorien und Einfluss kämpften. Die Pariser Friedenskonferenz sollte eigentlich einen gerechten Frieden schaffen, doch die Siegermächte verfolgten eigene Interessen. Grenzen wurden neu gezogen, oft ohne Rücksicht auf ethnische oder kulturelle Zusammenhänge. Das führte zu Spannungen und Ressentiments. Ein besonders brisantes Gebiet war Polen, das zwischen Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn aufgeteilt war. Nach über hundert Jahren der Teilung strebten die Polen nach einem eigenen Nationalstaat. Es kam zu Kämpfen mit der Ukraine um Galizien und mit Russland um Gebiete im Osten. Auch in der Tschechoslowakei gab es ethnische Minderheiten, insbesondere Sudetendeutsche, die sich nach Anschluss an Deutschland sehnten. In Jugoslawien, das aus verschiedenen Völkern zusammengesetzt war, brodelte es ebenfalls. Serben, Kroaten und Slowenen hatten unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Landes. Die Spannungen in Osteuropa wurden durch wirtschaftliche Probleme noch verschärft. Die Inflation stieg, die Arbeitslosigkeit nahm zu, und es herrschte große Armut. Das schuf einen Nährboden für Radikalismus und Nationalismus. Die 1920er Jahre waren geprägt von Grenzstreitigkeiten, ethnischen Konflikten und politischen Instabilitäten. Der vermeintliche Frieden war vergiftet, denn die Ursachen für neue Kriege waren noch nicht beseitigt.
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