Sehr deutsche aber nicht unlustige Komödie
Reine Geschmacksache
Komödie
Wolfi Zenker, Handelsvertreter für Damenoberbekleidung, hat einen funkelnagelneuen Wagen, aber ein Problem: Er hat keinen Führerschein mehr. Sein Sohn Karsten, gerade das Abitur hinter sich, hat eine Sprachreise nach Spanien gebucht, aber plötzlich ein Problem: Sein Vater hat keinen Führerschein mehr. Protestieren hilft nicht. Karsten wird zwangsverpflichtet, Wolfi samt Frühjahrskollektion durch die deutsche Provinz zu chauffieren. Gemeinsam auf Tour wird es für die beiden ziemlich anstrengend. In der neuen Situation ist es viel schwieriger, seine Geheimnisse für sich zu behalten. Und die gibt es reichlich. Wolfi ist so gut wie pleite und hat von seiner prekären Lage niemandem erzählt, schon gar nicht seiner Frau Erika, die doch so sehnsüchtig auf eine Renovierung des Hauses wartet. Außerdem hat er neuerdings einen innerbetrieblichen Konkurrenten, der sich betont trendy gibt und mit dem Billigsegment in Wolfis Terrain groß abräumt. Karsten wiederum ist schwul und traut sich nicht so recht, seinen Eltern davon zu erzählen. Und nun verliebt er sich ausgerechnet in Steven, den neuen Widersacher seines Vaters. Wolfi und Karsten ginge es wesentlich besser, wenn die Wahrheiten endlich ausgesprochen würden. Stattdessen versuchen beide angestrengt, einfach so weiterzumachen wie bisher. Ingo Raspers "Reine Geschmacksache" bringt das komische Potential in Provinz und Bekleidungsbranche, von Selbsttäuschung und Versteckspiel auf leichte und humorvolle Weise zum Vorschein. Aber bei allem Komödiantischen scheinen doch auch die bitteren Momente einer gefährdeten Existenz immer wieder durch, dargeboten von einem großartigen Ensemble um Edgar Selge und Florian Bartholomäi, der für diese Rolle mit dem Darstellerpreis des Festivals Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde. Edgar Selge und Franziska Walser, auch privat ein Paar, spielen die Eltern Zenker. Für Florian Bartholomäi, als Sohn Karsten, war es die zweite Hauptrolle in einem Kinofilm. Die Komödie erhielt 2007 auf dem "Filmfestival Max Ophüls Preis" den Publikumspreis; Florian Bartholomäi wurde als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. 2009 erhielt Florian Bartholomäi den Deutschen Fernsehpreis als bester Nebendarsteller für seine Doppelrolle in Bloch: "Schattenkind".
Diese und 50.000 weitere Sendungen in