Geschichte
Geschichte schreiben
Staffel 1, Folge 9 von 12
Reportage
F 2021
Ohne Altersbeschränkung
17 Min.
Der Spiegel - Ich sehe mich
Originaltitel: Faire l'histoire
Spieglein, Spieglein an der Wand ... Welche Geschichte hat das Spiegelbild zu erzählen? Der Historiker und Experte für Alltagsliteratur Philippe Artières erklärt die Hintergründe des Ankleidespiegels, auch "Psyche" genannt. Dank dieser Erfindung konnten sich die Menschen im 19. Jahrhundert erstmals von Kopf bis Fuß betrachten.
Anfangs war es noch flüchtig und verschwommen, wie bei Narziss, der sich im Wasser betrachtete. Später wird das Selbstbild beständiger und klarer, als der Ankleidespiegel im 19. Jahrhundert in die meisten Bürgerhäuser einzieht. Es ist eine Neuheit, denn das Privileg, sich von Kopf bis Fuß im Spiegel betrachten zu können, war zuvor nur einigen Wenigen vorbehalten. Der Spiegel war ein seltenes Gut. Während er im 16. Jahrhundert nur ein Luxusgegenstand der Könige und der Aristokraten war, so erhaschte der Großteil der einfachen Bevölkerung nur sehr selten ein Blick auf sich selbst. Das 19. Jahrhundert bringt den Wandel in der Geschichte des Spiegels. So zahlreich wie nie zuvor sind sie in Kaufhäusern, Cafés, Friseursalons und Bekleidungsgeschäften zu finden. Eine ganze Gesellschaft entdeckt einen neuen Blick auf sich selbst, aber auch eine neue Art, sich zu beurteilen. Dies bewirkt Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ein Umdenken in der Gesellschaft. Die Menschen nehmen nicht nur ihr Äußeres wahr, sondern auch ihre Unterschiede und Ähnlichkeiten. Menschen werden sich ihrer Individualität bewusst. Somit ist die Geschichte des Selbstbildnisses auch eine politische Geschichte, denn sie handelt schon immer von Subjektivität und Dominanz. „Geschichte schreiben“ ist das erste von Historikern und Historikerinnen moderierte Geschichtsmagazin. Im Mittelpunkt der von dem französischen Mittelalter- und Renaissancespezialisten Patrick Boucheron präsentierten Sendung steht die Frage: Was hat uns Geschichte heute zu sagen? Jede Woche stellt ein Gast einen Gegenstand und seine Geschichte vor. Dabei kann alles geschichtsträchtig sein: seriengefertigte Objekte, Einzelstücke, Kultgegenstände, Werkstoffe oder Schriftdokumente. Die verwendeten Archivaufnahmen werden in kreative grafische Animationen eingebettet und pädagogisch aufbereitet. In einer regelmäßigen Kolumne schlägt die französische YouTuberin Manon Bril die Brücke zwischen Geschichte und Digitalzeitalter.
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Mitwirkende
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