Sehen statt Hören
Infomagazin
Gehörlose Darsteller im deutschen Film sind eine absolute Seltenheit. Und wenn sie gezeigt werden, dann oft sehr einseitig - nämlich aus der Sicht von Hörenden. Doch warum sehen wir so wenig gehörlose Darsteller im Film? Schauspielerei ist ein hartes Geschäft. Es ist schwer, gute Filmrollen zu bekommen. Oft sind es die immer gleichen Schauspieler, die in den großen Filmen spielen. Deshalb können viele in dem Beruf nicht überleben: Sie spielen noch Theater oder müssen sich ganz andere Jobs suchen. Gehörlose Darsteller sind im deutschen Film eine besondere Rarität: Obwohl die Gebärdensprache immer häufiger in Filmszenen eingesetzt wird, werden die vorgesehenen Rollen meist von Hörenden gespielt. Wieso, wenn es doch gehörlose Schauspielerinnen und Schauspieler gibt? Athina Lange ist eine von ihnen. Schon als kleines Mädchen träumte sie davon, Schauspielerin zu werden. 2015 hat sie dann die Schauspielausbildung in Leipzig abgeschlossen. Athina ging nach Berlin - und dachte, es würden nun relativ bald Rollen für sie kommen. Doch schnell merkte sie, wie schwierig sich alles gestaltete: Zum einen gibt es in Berlin enorm viel Konkurrenz. Die Gehörlosigkeit, die in der Ausbildung noch kein Thema war, wurde nun zum Problem. Dass dann gehörlos angelegte Rollen auch noch von hörenden Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt werden - dafür hat Athina kein Verständnis. Mit Gebärdensprache werde zudem immer häufiger eine Show gemacht. Damit benutze man die Kultur der Gehörlosen lautet ihre Kritik. Derzeit ist Athina Lange Teil einer vierköpfigen Gruppe von Künstlerinnen, die im Theaterlabor in Bielefeld proben. Sie haben ein Forschungsstipendium von flausen+ bekommen, mit dem sie vier Wochen lang an einem Vorhaben arbeiten und forschen können. Ihr Projekt: Ein Theater mit hörenden und gehörlosen Schauspielerinnen für hörendes und gehörloses Publikum. Das könnte durchaus auch ein Signal an die staatlichen Schauspielschulen sein, sich für gehörlose Schauspielerinnen zu öffnen. Wenn man sich das Filmgeschäft genauer ansieht, entdeckt man oft Diskriminierung. Von Diversität sieht man nur wenig. So hat sich ein Bündnis mit dem Titel "Vielfalt im Film" gegründet, das genau dagegen vorgehen möchte. Vor einem Jahr hat man hier eine Online-Umfrage gestartet, bei der 6.000 Filmschaffende mitgemacht haben.
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