Skandalregisseur Lars von Trier schockt wieder
Psychodrama
Antichrist
Spielfilm
DK/D/F/S/I/PL 2009
Keine Jugendfreigabe
105 Min. (108 Min.)
Stereo
16:9
Der plötzliche Unfalltod ihres Sohnes stürzt ein Paar in tiefe Trauer und Depressionen. Insbesondere Sie kann den plötzlichen Verlust nicht verkraften und verfällt in apathische Agonie.
Beste Schauspielerin, Cannes 1 Europäischer Filmpreis Nominiert für die Goldene Palme, Cannes Um den Unfalltod ihres Sohnes zu verarbeiten, zieht sich ein traumatisiertes Ehepaar in eine einsame Waldhütte zurück, die die Beiden Eden getauft haben. Dort wollen sie wieder zu sich und zueinander finden. Vor allem ihre schwere Depression, für die sie Tabletten verschrieben bekam, erweist sich als harter Brocken. Als sie merkwürdige Dinge sieht und immer stärkere Angstzustände bekommt, ist er zunächst überzeugt, dass es sich um Symptome ihrer Krankheit handelt. Er drängt sie, sich mit ihren größten Ängsten auseinanderzusetzen, und beschwört damit eine Katastrophe herauf.
In Interviews betonte Skandalregisseur Lars von Trier wiederholt seine depressive Verfassung, aus jener "Antichrist" geboren wurde. Er habe das Drehbuch aus einer Schaffenskrise heraus geschrieben, da er in einer Art Eigentherapie selbst sehen wollte, ob es ihm überhaupt noch möglich sei, zu schreiben. Entstanden ist ein Film, der sich selbst und alles, woran man in dieser Welt zu glauben gedachte, infrage stellt: Humanistisch selbstverständliche, aber dennoch romantisch besetzte Paradigmen wie Liebe, Vertrauen und Sehnsucht werden in ständigem Wechsel in ihre Gegenteile Hass, Abhängigkeit und Kälte gekehrt. Beginnend mit der zartbitteren Klage-Arie "Lascia ch'io pianga" aus Händels "Rinaldo" gepaart mit den in schwarz-weiß gehaltenen Bildern von nackten, in Lust gewundenen Körpern, wird der gleichzeitige, in extremer Zeitlupe gefilmte Unfalltod Nics in die trügerische Schönheit der Bilder eingebettet. Dieser furiose Filmanfang setzt sich am Ende in der wiederholten Verwendung des musikalischen Motivs fort und umhüllt damit die Grausamkeit mit zartem Gesang. Das hauptsächlich in den Wäldern Nordrhein-Westfalens gedrehte Kammerspiel ist visuell wie atmosphärisch bestechend. Mit farblich entsättigten Bildern und einem raffinierten Spiel aus Geräusch- und Bildverzerrung in Form von Zeitlupen und Farbverfremdungen entwirft von Trier eine Atmosphäre der unterschwelligen Beklemmung, die sich schließlich in grotesk anmutender Brutalität entlädt. Was ist real, was ist Wahnsinn? Nicht nur mit der Grenze zwischen Schein und Sein, auch mit Identifikationsmöglichkeiten überrumpelt von Trier seine Zuschauer. Fühlt man sich zu Beginn der Mutter verbunden, die den Schmerz über ihr plötzlich verstorbenes Kind nicht überwinden kann, so ist es am Ende der Mann, mit dem die Zuschauer aufgrund seiner Hilflosigkeit mitfühlen. Vor allem ist dies aber dem Schauspieltalent der beiden prominenten Hauptdarsteller zu verdanken. Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg wurden in der Kritik für ihr intensives Spiel hoch gelobt. Während Dafoe überzeugend kalt und rational die Rolle des egozentrisch-arroganten Psychotherapeuten spielt, glänzt Charlotte Gainsbourg mit einer atemberaubenden Bandbreite an emotionaler Tiefe. Für ihre Verwandlung von der passiv-depressiven Mutter zur wahnsinnigen Furie erhielt sie 2009 den Preis für die beste weibliche Darstellerin in Cannes. Mit Charlotte Gainsbourg dreht Lars von Trier momentan seinen nächsten Film, "Nymphomaniac", der ebenso von ARTE koproduziert wird. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurden "Antichrist" sieben Robert-Preise der Dänischen Filmakademie zugesprochen, als bester Film, für die beste Regie, das beste Buch, die beste Kamera, den besten Schnitt, das beste Sound-Design und die besten Spezialeffekte. Die eindrucksvolle Kameraarbeit wurde bei den European Film Awards 2009 mit dem Preis der besten Kamera gewürdigt. Im Rahmen des ARTE FilmFestivals erfährt der Film seine TV-Erstausstrahlung. Mehr im Internet unter: www.arte.tv/filmfestival Beim zweiten ARTE FilmFestival laufen zwei Wochen lang 15 preisgekrönte Kinofilme, die von ARTE koproduziert wurden, als deutsche TV-Premiere. Auf www.arte.tv/filmfestival können Sie den Regisseuren zu ihren Filmen Fragen stellen.
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